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Die Avantgarde-Vokalistin und Musikethnologin Ubiet, der Jazzpianist Riza Arshad und die Pop-Komponistin Dian HP taten sich vor einigen Jahren in Jakarta zusammen, um den Kroncong, jene mehrere hundert Jahre alte Volks- und Salonmusik Indonesiens aus ihrem Dornröschenschlaf zu reißen. Vor dem Auftritt ihrer Gruppe Ubiet & Kroncong Tenggara im Haus der Kulturen der Welt am 10.09. um 20 Uhr erklären sie HKW-Musikchef Detlef Diederichsen den Kroncong und seine Historie im Allgemeinen und ihren persönlichen Ansatz im Speziellen.

Mit ihrer Vielseitigkeit und Neugierde ist die Sängerin Ubiet eine der spannendsten Musikerpersönlichkeiten Indonesiens: Sie erweitert die traditionelle Musik Kroncong durch etliche zeitgenössische Bezüge. „Ich stehle Stile”, sagt sie. „Das Publikum kann nicht sagen, ob es indonesisch, afrikanisch oder koreanisch klingt.“ Zusammen mit Filmmusik-Komponistin Dian HP und Pianist Riza Arshad erweckt Ubiet ihre Klangvisionen zum Leben. Im Haus der Kulturen der Welt ist Ubiet & Kroncong Tenggara nun im zum ersten Mal in Berlin zu erleben.

Kroncong ist die vermutlich älteste eurasische Musik-Kreuzung und entstand schon vor rund 500 Jahren, als die Portugiesen ihre Instrumente nach Indonesien mitbrachten. Mit der Zeit vermischte sich die Musik der Kolonisten mit lokalen Stilen – Akkordeon trifft auf Ukulele, Kendang-Trommel auf Cello. Kroncong, „das ist die älteste Popmusik überhaupt“, sagt Ubiet. Das Adjektiv Tenggara bedeutet Südosten in Indonesisch und Malaiisch.

Detlef Diederichsen, 1960 in Hamburg geboren, prägte und prägt als Journalist Musikzeitschriften wie Sounds und Spex. Er arbeitete als Produzent für Bands wie F.S.K. oder JaKönigJa, seine bisher letzte Platte als Teil des Musikerduos Die Zimmermänner erschien 2007. Für das Berliner Haus der Kulturen der Welt kuratiert er den Musik-, Tanz- und Theaterbereich.