Der Synthesizermusiker Thomas Meier und der Künstler Stefan Römer im Gespräch mit Pit Schultz vom Radio reboot.fm

organizing-noise

organizingnoise2

Stefan Römer und Sebastian Tröger haben zum Workshop „Organzing Noise“ an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg die beiden Musiker Thomas Meier (Berlin) und Daniel Door (München) eingeladen (29. – 30.5.2015). Die Nürnberger Akademie ignoriert bisher die studentische Frage nach einer Musik- und Sound-Klasse. Die etwa vierzehn Studierenden haben jedoch erfrischende Ergebnisse im Workshop produziert, die in der Sendung von einem der Workshopleiter, Thomas Meier, der selbst ein später Vertreter der Berliner Synthesizerschule ist, und Stefan Römer (Prof. für Kunsttheorie an der AdBK) erläutert wird. Meier, Römer und Daniel Door spielen zusammen in der Band “Stan Back & The Noise Glam“.

Mit Hörproben von folgenden Teilnehmer_innen:

Julia Werner
Max Hanisch
Susanne Dundler
Catherine Lehnerer
Fabian Bertelshofer
Michael Akstaller
Zolar
Josefa Schundau
Hansol Kim

Ziel des Workshops und These:
Das Ziel des Workshops bestand darin, den Teilnehmer_innen Möglichkeiten zu bieten, eigene experimentelle Soundpieces zu erstellen und für eine Veröffentlichung vorzubereiten, auch wenn sie z.T. vorher noch nie etwas derartiges getan hatten und keinen Musikbackground haben.

Akzeptiert man mit avantgardistischen und experimentellen Denkweisen in der Musik des 20. Jahrhunderts (bspw. Music concrète, Sound art, Noise, Glitch etc.), dass klassische und traditionelle Musik aus institutionalisierten Formen der Anordnung und Strukturierung von Geräuschen in konventionalisierten Rhythmusmustern besteht, kann man für eine experimentelle Denkweise eine Befreiung von dieser exklusiven Musiktradition und ihrem hierarchisierenden Hochkulturanspruch fordern.
Wenn also traditionelle Musik nur deshalb als Musik gilt, weil bestimmte Geräusche durch die Kultur als Musik definiert wurden, lässt sich auch schließen, dass mit den zeitgenössischen Möglichkeiten der Aufnahme, des Sampling, des Filterns und des Mixens alle Formen von Geräuschen/von Krach zu Musik verarbeitet werden können. Dem Krach haftet eine »transgressive rhetoric« an, die die traditionelle Musik zu unterdrücken sucht. (vgl. Douglas Kahn, Noise, Water, Meat. A History of Sound in the Arts, 1999, S. 17) Insofern geht es uns in dem Workshop um ein erstes Organisieren von Geräuschen/Krach.
Doch kann dem Geräusch/dem Krach eine noch weiterreichende Bedeutung zugestanden werden. Die Geräusche und der Krach stehen in Relation zu der sozialen und kulturellen Ordnung:
»All music, any organization of sounds is then a tool for the creation or consolidation of a community, of a totality. It is what links a power center to its subjects, and thus, more generally, it is an attribute of power in all of its forms. Therefore, any theory of power today must include a theory of the localization of noise and its endowment with form.« (Jacques Attali, Noise. The Political Economy of Music, 1985, S. 8)

Es geht uns somit also nicht mehr um die Frage, wie Töne komponiert, sondern darum, dass und wie Geräusche/Krach organisiert werden. Das liegt unserer künstlerischen Praxis in diesem Workshop zugrunde.