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FETISCHVERNUNFT ODER KATEGORIALE KRIKTIK?
Die Tiefendimension in der Kritik der politischen Ökonomie
(Vortrag von Robert Kurz)

Im Partei- und Bewegungsmarxismus werden die zentralen Kategorien der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie weitgehend positivistisch missverstanden. Es geht dann bei der Kapitalismuskritik nur um die bessere Einsicht in ontologische Daseinsbestimmungen. Die Marxsche Theorie zielt dagegen mit der Stufenleiter der Begriffe von Warenfetisch, Geldfetisch und Kapitalfetisch auf die Abschaffung dieser Kategorien. Eine so verstandene Kritik der modernen Fetisch-Konstitution ist zu erweitern auf die Begriffe von Arbeitsfetisch, Geschlechtsfetisch, Rechtsfetisch, Staats- und Politikfetisch, Demokratie- und Nationalfetisch. Daraus ergibt sich auch eine Veränderung des geschichtstheoretischen Paradigmas einer soziologisch verkürzten „Geschichte von Klassenkämpfen“ zu einer „Geschichte von Fetischverhältnissen“. Epistemisch ist dabei schon in der Marxschen Theoriebildung die Kritik des ontologischen Denkens überhaupt impliziert, die nicht nur den Begriff des Subjekts als einen für die moderne Fetisch-Konstitution spezifischen bestimmt, sondern auch den Begriff der Vernunft selbst als Zusammenhang der „objektiven Gedankenformen“ (Marx) von Fetischverhältnissen historisiert. Erst so ergibt sich über Adorno hinaus für die kapitalistische Widerspruchsbewegung eine konsequente negative Dialektik, die mit dem immanenten Aufhebungsbegriff der positiven Hegelschen Dialektik bricht und die Marxsche theoretische Revolution zu Ende führt. Die reale Einlösung wäre allerdings erst die praktische Überwindung der modernen Fetischvernunft.

Quelle: Radio F.R.E.I. vom 06.07.2008