Die goldene Kugel als Sinnbild vollkommenster Perfektion und Schönheit, der goldene Ball als Spielzeug verwöhnter Prinzessinnen, die “golden balls” als körperlose, hochgeschätzte Genitaljuwelen – der Albumtitel bleibt vieldeutig und das ist gut so. Denn es sind offensichtlich mehrere Bälle im Spiel. Körper und Identität, Schönheit und Sterblichkeit, Individuum und Gesellschaft, Dekonstruktivismus und Postmedialität, der Horizont ist weit gesteckt.
Fantas Schimuns zweites Soloalbum hat vier Jahre zu seiner Vollendung gebraucht und diese Sorgfalt merkt man jedem einzelnen Song an. Dabei agiert die Künstlerin nicht nur als Texterin, Musikerin und Produzentin, sondern zugleich als Labelowner: „Golden Balls“ wird am 3. Jänner 2014 bei dem kürzlich von ihr gegründetem Label „Keto“ erscheinen – in Vinyl und als Download .

„Golden Balls“ besticht durch Souveränität, Klarheit und Konsequenz: In der Auswahl der Motive, den musikalischen Arrangements und in der Wahl der MusikerInnen. Nur ein Bruchteil der Musik verlässt sich auf elektronische Samples, das gesamte Album ist weitgehend analog eingespielt. Schimuns erklärtes Ziel, ein Album zu machen, „in dem die Musik im Vordergrund steht“ geht allerdings über bloßes Analogtum hinaus. Vielmehr gilt es, „die Musik“ als Träger kultureller und politischer Codes dem Schlamm der „Populärmusik“ zu entwenden und den Code auf eine neue Weise hörbar und lesbar zu machen.

Fantas Schimun hat den Großteil der Texte selbst geschrieben. Ihr virtuoser Umgang dabei mit Anleihen aus Musikgeschichte, Film, Literatur und Philosophie verleiht dem Album eine Multidimensionalität, die sich schnellem Konsum entzieht. Mit dem Zitat als Kommentar, Wegweiser, Köder und Fährte, führt „Golden Balls“ den Hörer in eine seltsam vertraut anmutende Gegenwart, die von Schimun beunruhigend neu aufgemischt wird. Ähnlich den Bildern einer laterna magica gewinnen die Lieder eine cineastische Qualität, je intensiver und öfter man ihnen zuhört. Dass sich in diesen Bildern stets etwas oder jemand zu bewegen scheint, ist nicht nur den überraschenden Instrument-, Tempi- oder Stilwechseln geschuldet. Mehr noch sind es die doppelbödigen Texte und deren immanente Dekonstruktion, die den Eindruck erwecken, hier gehe etwas über den Rahmen hinaus und in das Gehirn hinein.

(Text: Gabi Schaffner)

Die Platte kann man online als Download beziehen über bei Playloud.

Preorder Camaign for a Limited Vinyl Edition